Lukas
Von einer Delphintherapie für Lukas (weiteres über ihn finden Sie hier) träumten wir schon seit einiger Zeit. Als sie dann durch die Hilfe von Dolphin-Jump e. V. und eine Spende Wirklichkeit wurde, waren wir natürlich völlig aus dem Häuschen. Unsere Aufregung steigerte sich mit dem Herannahen unseres Abflugtermins. Endlich in Spanien angekommen, konnten wir es nicht erwarten, Mundomar (das ist der Meerestier-Zoo, in dem die Therapie stattfindet und der diese überhaupt ermöglicht) zu sehen.
Wir hatten unsere Erwartungen vom Therapieerfolg lieber nicht zu hoch gesteckt, denn es war uns klar, dass Lukas nach 10 Tagen mit den Delphinen auch nicht laufen und sprechen können würde. Aber wir freuten uns darauf und waren für alles offen.
Benidorm selbst ist nicht sehr einladend, um so überraschter ist man dann von dem ruhigen, gepflegten und schattigen Tierpark. Mundomar ist sehr liebevoll angelegt. Dort tummeln sich außer den Delphinen auch Pinguine, Robben sowie allerlei Vögel. Das Delphinarium befindet sich ganz oben auf dem Berg. Man kann die Delphine sowohl von der Tribüne aus als auch von unten, durch Sichtfenster, beobachten. Sie waren uns gleich sympathisch, denn sie sehen immer so aus, als würden sie lächeln. Aber sie sind auch ganz schön groß – besonders im Vergleich zu Lukas...
Als wir ankamen, war Branko, der Therapeut (damals haben wir noch in Spanien therapiert, Anmerk. d. Vereins), gerade mit einem anderen Kind im Wasser. Das Therapiebecken ist vom großen Becken abgetrennt und liegt etwas abgeschirmt vom Besucherstrom, so dass sich weder Delphine noch Kinder zu sehr ablenken lassen müssen. Es hat eine größere Stufe, ca. 50 cm Wassertiefe, und wird erst dann tief. Wir hatten eine Verabredung mit Branko, den wir gleich sehr nett und kompetent fanden. Er ist Physiotherapeut, Tauchlehrer und Psychologe, und vor allem mag er Kinder. Lukas und er verstanden sich gleich gut.
Am Montag um 10.30 Uhr hatte Lukas seine erste Therapiestunde. Das Kind vor ihm weinte laut, der Neoprenanzug war schwierig anzuziehen, wir fürchteten, unser Kind würde das kalte Wasser boykottieren... Wir gaben Lukas seinen Spielzeug-Delphin, zeigten auf die Tiere im Wasser und fragten ihn, ob er zu ihnen wollte. Er wollte und durfte. Branko holte ihn ab, setzte ihn zunächst behutsam an den Beckenrand und las mit ihm in verschiedenen Büchlein. „Schauen wir mal, ob auch Delphine da sind?“.
Damit gingen die beiden ins – übrigens angenehm warme - Wasser. Dort patschten sie auf die Oberfläche, bis die Delphine kamen, um sich streicheln zu lassen. Es waren zwei Weibchen mit ihren Jungen im Becken. Sie waren sehr verspielt. Immer schwammen einer oder mehrere um Lukas und Branko herum. Lukas übte im seichten Wasser Laufen an der Hand, er „schwamm“ aber auch mit Branko in den tieferen Teil des Beckens. Dort hielt sich der Therapeut an der Flosse eines Tieres fest und ließ sich und Lukas ziehen. Wir fanden unseren Sohn recht mutig und waren furchtbar stolz auf ihn. Er war wirklich neugierig und voll bei der Sache.
Das war nicht jeden Tag so. Einmal bekam er die Flosse eines verspielten Delphins ins Gesicht und hatte danach Angst vor den großen Tieren. Branko übte mit ihm Zahlen und Begriffe anhand von Karten und Büchern, aber auch motorische Fähigkeiten. Am schwierigsten war es für Lukas, die Delphine zu rufen. „Quina“ brachte er einfach nicht über die Lippen, fand es aber lustig, es immer wieder vorgesagt zu bekommen...
Was wir schön fanden und eine wichtige Grundlage für Brankos Konzept ist: Die Delphine kamen nicht zu Lukas, weil es dafür eine Belohnung (Fisch) gab, sondern, weil sie es selbst wollten. Sie sind einfach verspielt und neugierig. So standen auch nicht weitere Personen um das Becken herum und lenkten Kind und Tiere unnötig ab. Über das Konzept könnte ich noch mehr schreiben, aber ich fürchte, ohnehin schon zu ausschweifend zu erzählen. Im Übrigen bekommt jede Familie zu Anfang (auf Wunsch auch im Verlauf) ein Gespräch mit dem Therapeuten, in dem er über Wirkungsweise der Delphintherapie informiert und alle offenen Fragen beantwortet.
Jeden Morgen war Lukas schon am Tor zu Mundomar ganz aufgeregt. Jeder Tag brachte andere Überraschungen: große Aufregung wegen der Geburt eines Delphinbabys, Gewitter, neue Therapiekinder und –eltern, auch mal andere Delphine... Am Schluss durften auch wir Eltern noch jeweils einen Tag mit ins Wasser. Lukas war richtig besorgt, dass mir die Delphine auch nichts antäten. Tatsächlich konnte ich nicht aufhören, sie zu streicheln, mit ihnen zu spielen und zu schwimmen.
Wir beobachteten bei Lukas auch so manch kleine Veränderung in seinem Verhalten. Er wollte immer mehr selbst – d.h. an der Hand – laufen, auch die Treppen zu unserem Appartement heraufsteigen. Er lernte eine neue Lautfolge, er erfand und verwendete mehrere neue Kommunikationszeichen, und wir hatten das Gefühl, es ging ihm einfach rundum gut. Branko wendete bescheiden ein, das könne auch am Tapetenwechsel, an Sonne, Sand und Meer sowie der Tatsache liegen, dass wir beide so viel Zeit mit ihm verbrächten. Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Eltern sind da vielleicht auch nicht sehr objektiv, aber auch später zu Hause erhielten wir von Kindergarten und Therapeuten ein positives Feedback. Lukas sei selbstbewusster geworden, er hätte mehr Körperspannung, würde auch mehr selbst machen wollen. Und er sei völlig begeistert, wenn er sein Büchlein mit den aktuellen Delphinphotos anschaue. Was weiter passiert, werden wir sehen. In drei Monaten bekommen wir von Mundomar einen Fragebogen zugeschickt, der das Vorher und Nachher dokumentieren soll. Darauf äußern sich auch Therapeuten und Erzieherinnen zu ihren Beobachtungen.
Gegenseitiges gefühlvolles Herantasten ist wichtig
Der Abschied von Branko und den Delphinen fiel uns schwer. Tröstlich war lediglich, dass wir – wenn alles klappt - ja im kommenden Jahr wieder kommen werden. Ich freue mich jetzt schon darauf! Und ich würde mir wünschen, dass möglichst viele andere ‚besondere’ Kinder auch diese Chance bekommen!
Vielen herzlichen Dank an Ingo Zigan, Branko Weitzmann und Mundomar!
Lukas, Kilian und Sylvia de Bruyn
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